Klangkunst auf höchstem Niveau (Rhein-Neckar-Zeitung)

Internationaler Wettbewerb für Kammerchöre: Erfolgreiche Premiere bot vorzügliche Chorkunst

Mosbach. Ein seltenes kulturelles Highlight kann Mosbach nun neu verbuchen: einen Internationalen Kammerchorwettbewerb, dessen Premiere mit großem Erfolg und interessierter Hörerbeteiligung über die Bühne ging. Initiiert hatte ihn Bürgermeister Michael Keilbach, und Konzertveranstalter Christoph Roos hatte die ausgezeichneten Kontakte, um eine hochkarätige Jury zu gewinnen.

Fünf profilierte Kammerchöre wurden eingeladen, welche die Vorrunde in der gut gefüllten Stiftskirche bestritten. Hochanspruchsvolle Werke waren das allesamt, die gesungen wurden, Kompositionen der Romantik und aus unseren Tagen ebenso wie solche, die vor 1800 entstanden. Den Anfang machte der Kammerchor der Musikhochschule Mannheim, der unter seinem Leiter Georg Grün schon etliche Preise bei großen Internationalen Chorwettbewerben gewann. Frisch und vital begann der Chor mit Schumanns volksliedhafter „Frühlingsfahrt“ in der Bearbeitung von Clytus Gottwald. Postwendend ging es danach hinein in die hermetische Klangwelt des Mittelalters, mit ruhig schwingenden kontrapunktischen Verläufen eines Chansons von Nicolas Gombert, in fein und zart glimmende Farben gehüllt. Eine wunderbare Reinheit und Klarheit lag in diesem Singen, und die kam gerade auch der Romantik sehr zugute. „Darthulas Grabgesang“ von Brahms vor allem, dem Pflichtstück des Programms. Tiefe Sehnsucht und Schönheit waren dabei verbunden, und die dynamische Feinarbeit, die Georg Grün seinem Chor entlockte, war absolut beglückend. Wundersame Wirkungen taten sich dabei in reichgestuften Piano- und Pianissimo- Klängen auf. Durch die gemischte Chor-Aufstellung wurde ein sehr feinkörniger und kristalliner Klang erreicht, ein ganz erlesener Klangzauber.

Erst 2008 von seinem Dirigenten Uwe Heller gegründet, erzielt ClaritasVocalis aus Frankfurt, seinem Namen getreu, bereits wunderbar leuchtende und präzise ausgehörte Klänge. Dies kam vor allem Schütz’ „Selig sind die Toten“ zugute, das in schwebender Schönheit erklang. Zwei Stücke lettischer Komponisten, Juris Vaivods und Peteris Vasks („Madrigals“), zeigten opulente Klangqualität. Das Brahmssche Pflichtstück wurde mit großer Genauigkeit gemeistert, und in Leland Saterens „The works of the Lord“ kamen moderne Chortechniken aufs Schönste zu ihrem Recht.

Aus Guelph/Ontario kamen die University of Guelph Chamber Singers, ein hervorragend ausgebildeter Studentenchor, der mit einem mittelalterlichen Vogelgesang von Clément Jannequin schon mal für reichlich Stimmung zu Beginn sorgte. Frisch und heiter ließen die Sänger eine muntere Vogelschar ihr morgendliches Konzert anstimmen, rhythmisch beweglich, gewitzt. Beste Vertrautheit zeigten die Kanadier auch mit neuen Klangmöglichkeiten, in der lustvoll rhythmisierten Begeisterung eines Werkes von Alberto Grau ebenso wie in den Klangmysterien von Morten Lauridsen, in unerhört weich und warm erfüllten Harmonien. Beste Stimmung brachte der von Marta McCarthy geleitete Chor in die musicalhafte Heiterkeit einer Komposition
von Ruth Henderson.

In Litauen gibt es eine besonders reiche Chortradition, und damit konnte man Bekanntschaft machen mit einem Spitzenchor: „Kamertonas“ aus Kaunas, von Kestutis Jakeliunas animierend geleitet, sang sich ganz besonders in die Herzen der Hörer. Das waren wunderbar ausgebildete Stimmen, kultiviert und sehr homogen klingend, die bei Eric Whitacres „Sleep“ einen sanft leuchtenden Wohllaut der schönsten Art erzeugten. Faszinierende Raumklänge hörte man in „Teka, teka“ ihres Landsmannes Venislovas, bei betörend sinnlichen, sanft schwingenden Volksliedmotiven und zarten Summtönen. Absolut mitreißend das Schlussstück von Svilainis, mit rituellen Klängen und vitalen Rhythmen, modernen vokalen Effekten. Groß war der Jubel im Publikum. Und auch der Kammerchor der Musikhochschule Detmold unter Anne Kohler bot Chorkunst auf höchstem Niveau. Wie leicht das Virtuose und komplex Verflochtene klingen kann, das machten die Chorsänger bei Eben und Pärt klangstark und rhythmisch prägnant vor, entfalteten ein prächtiges Klanggemälde bei Gesualdo.

Vonsolch einer Veranstaltung wie dem Chorwettbewerb kann man nur begeistert sein. Selten gab es so viel hohe Chorkunst wie nun an diesem Wochenende.