„In den Metropolen der Region gab es so etwas bislang nicht“ (Rhein-Neckar-Zeitung)

150 Sänger werden zum Chorwettbewerb in Mosbach erwartet – Drei Konzerte bieten hohe Kunst und ausgefallene Literatur

rnz_2012-04-17

Erstmals findet am 28. und 29.April in Mosbach ein „Internationaler Wettbewerb für Kammerchöre“ statt. Im Anschluss an die Pressekonferenz
stellten sich die Kooperationspartner des Organisationsteams für ein Gruppenbild. Foto: Peter Lahr

Mosbach. Den Anstoß dazu gab Bürgermeister Michael Keilbach, selbst begeisterter Sänger im NKG-Männerchor. Auch für Oberbürgermeister Michael Jann ist es „eine sehr erfreuliche Geschichte“, dass am 28. April in der Mosbacher Stiftskirche erstmals der „Internationale Wettbewerb für Kammerchöre“ stattfindet. Was die Zuhörer dabei erwartet, berichtete das Organisationsteam gestern Vormittag im Rathaussaal.

„Die Internationalität haben wir geschafft“, unterstrich Jann und verwies auf zwei weitgereiste Teilnehmer. Neben den Kammerchören der Musikhochschule Mannheim und Detmold sowie dem Frankfurter Ensemble „Claritas Vocalis“ reisen auch „Kamertonas“ aus Litauen sowie die „Chamber Singers“ der Universität Guelph in Kanada an. Auf die vielfältigen Vorteile des Wettbewerbs wies Michael Keilbach hin.

Neben dem Werbeeffekt für die Stadt würden die Hotels ausgelastet. Die Bevölkerung erwarte Konzerte auf höchstem musikalischen Niveau. Zudem könnten viele Ehrenamtliche eingebunden werden. Wenn der Chorwettbewerb keine Eintagsfliege bliebe, sondern alle zwei bis vier Jahre stattfinden könnte, dann ginge nicht nur für den singenden Bürgermeister ein Wunschtraum in Erfüllung. „Das wäre ein Aushängeschild für ganz Baden-Württemberg.“ Vielleicht unterstützt gerade deshalb die Baden-Württemberg-Stiftung das Projekt.

„Wir waren ganz glücklich, dass ein Bürgermeister den Wunsch nach solch einem Wettbewerb äußert“, gestand Christof Roos, der zusammen mit Mathias Rickert als musikalischer Berater den Wettbewerb „formatierte“. „Wir überlegten zunächst ein Konzept“, ergänzte letzterer. Herausgekommen sei ein anspruchsvoller Wettbewerb, der an die Teilnehmer hohe Anforderungen stellten. Die Vorauswahl reduzierte das Teilnehmerfeld von neun auf fünf.
Untypisch für solch einen Wettbewerb sei zudem, dass die Chöre an einem Tag in zwei Runden antreten müssen. Am Samstagvormittag bei der Vorrunde in der Stiftskirche (ab 11 Uhr) singen alle ein 25-minütiges Programm. Im Finale am Abend (ab 19.30 Uhr) singen die besten drei nochmals ein weiteres Programm. Jeweils ein Pflichtstück erleichtert der Jury die Bewertung.

„Es geht ganz schön durch die Länder und Zeiten“, charakterisierte Roos das Programm. „Das ist Chorliteratur, die man in Mosbach so gut wie nie hören kann“, freute sich Rickert. Glücklich waren beide, dass als Juroren zwei international bekannte Größen der Chormusik zusagten. Frieder Bernius trat mit seinem Stuttgarter Kammerchor schon mehrmals in der Stiftskirche auf. Markus Creed leitet das SWR Vokalensemble Stuttgart. Wenngleich die beiden über die Vergabe der mit 3 000, 2 000 und 1 000 Euro dotierten Preise bestimmen. Dank des zusätzlich ausgelobten Publikumspreises werde zudem jeder Zuhörer miteinbezogen.

Verkündet werden die Preisträger erst am Sonntagabend bei der Konzertgala in der Alten Mälzerei. Hier findet ein weiterer Brückenschlag in die Region statt, treten doch ab 18 Uhr auch der Kinder- und Jugendchor „Pirol“ von der Musikschule Mosbach, der NKG-Männerchor sowie der „Chor Royal“ auf. „Neben der Betreuung der Gastchöre war für uns die regionale Verbindung wichtig“, erklärte Matthias Frohberg, der Steffen Ellwanger als Vorsitzendem des Chorverbandes Mosbach im Amt folgte. Beide unterstützte Claudia Starke, stv. Verbandsvorsitzende und Mitarbeiterin der Stadt. „Glücklich und stolz“ darüber, dass die Stiftskirche ob ihrer guten Akustik zum Austragungsort des Wettbewerbs gewählt wurde, zeigte sich Bezirkskantor Bernhard Monninger. Für ihn bildet der Wettbewerb „das absolute Highlight des Jahres“. Weder in den Metropolstädten Mannheim noch Heidelberg habe es bislang etwas Vergleichbares gegeben. Über Anfragen auch von weiter her konnte Kulturamtsleiterin Christine Funk berichten. Zwischen Würzburg und Karlsruhe zirkelte sie den Radius ein. Auch wenn es keinen Vorverkauf gebe – sowieso ist bei der Vorrunde der Eintritt frei – belegten entsprechende Mails bereits ein wahrnehmbares Interesse. Funks Dank galt neben den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern auch Erik Burger, der den Internetauftritt, Flyer und Plakate gestaltete.

Zusätzlich zum Wettbewerb konzertieren drei Chöre am Sonntagvormittag während den Gottesdiensten in der Martinskirche Neckarelz, in der Stiftskirche und in St. Cäcilia.